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Abegg, Bernhard (Franz Bernhard): Landvogt. ⚭ Maria Helene von Holzingen, liess am 10.12.1686 in Schaan eine Tochter Maria Anna taufen, wobei Graf Jakob Hannibal III. von Hohenems Pate war. 1692 Landschreiber und 1695–97 Landvogt zu Vaduz.
Abfall: Abfälle sind bewegliche Sachen, deren sich der Besitzer entledigt oder deren Entsorgung im öffentlichen Interesse geboten ist. Fester Abfall entstand in der vorindustriellen Zeit v.a. in der Landwirtschaft, der Nahrungsmittelproduktion (z.B. Metzgerei), im Handwerk und im Haushalt (Küchenabfall, Fäkalien usw.)....
Tierkadaver verscharrte der Abdecker (Wasenmeister, Schinder) auf sogenannten Wasenplätzen; daran erinnern Flurnamen wie Schinderplatz und Kogawinkel. Die Wasenordnung von 1873 verpflichtete die Gemeinden zur Einrichtung von Wasenplätzen und regelte die Kadaverentsorgung. In den 1920er bis 1940er Jahren fielen jährlich...
Mit der Industrialisierung und den neuen Konsumgütern wuchs besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Menge neuer Abfälle (Kunststoffe, Elektroschrott usw.). Sie wurden auf «wilden» Müllhalden und kommunalen Kehrichtdeponien verbrannt oder abgelagert. Diese befanden sich wie die alten Wasenplätze oft in ...
Seit 1961 wird der Siedlungsabfall in der KVA Buchs verbrannt. Deren Träger ist der «Verein für Abfallentsorgung», dem die liechtensteinischen Gemeinden als Gründungsmitglieder angehören (Mauren trat erst 1974 bei). 1961 wurde auch die in einigen Gemeinden behelfsmässig bestehende Müllabfuhr als Gemeinschaftsunternehme...
Die mit der Abfallentsorgung verbundenen Probleme schlugen sich seit den 1860er Jahren in spezifischen rechtlichen Erlassen nieder. Eine generelle Regelung der Ablagerung von Stoffen brachte das Gewässerschutzgesetz von 1957, auf das spezielle Vorschriften zur Beseitigung von Mineralöl und mineralölhaltigem Abfall (197...
Der Siedlungsabfall wird für die 1930er Jahre auf jährlich etwa 150 kg pro Person geschätzt. Während des Zweiten Weltkriegs fiel dieser Wert auf unter 100 kg, stieg dann stetig auf über 360 kg Anfang der 1990er Jahre und sank seither auf etwa 230 kg (2005). Von den 2005 rund 12 000 Tonnen an die KVA Buchs gelieferten f...
Ablass: Der Ablass als Erlass von zeitlichen Strafen für bereits vergebene Sünden ist eine Neubildung der abendländischen Kirche des Mittelalters. Er entstand vom 6. bis 10. Jahrhundert im Übergang von der altkirchlichen öffentlichen Busse zur sakramentalen Privatbeichte. Erstere verlangte vor der Absolution die Erfüll...
Erstmals im 11. Jahrhundert verliehen südfranzösische und nordspanische Bischöfe Ablassbriefe. Solche sind ab dem ausgehenden 13. Jahrhundert auch in Liechtenstein belegt.
Abolition: Abolition bedeutet die Befugnis des Staatsoberhauptes, ein eröffnetes Strafuntersuchungsverfahren der Justiz gegen den Beschuldigten einstellen zu lassen, d.h. niederzuschlagen. In Liechtenstein steht die Abolition dem Fürsten zu. Es handelt sich um eine ursprünglich absolutistische Kompetenz der Monarchen, ...
Absolutismus: Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gebräuchlicher Begriff der politisch-historischen Sprache (vereinzelt im englischen und französischen Sprachgebrauch auch früher feststellbar) zur Bezeichnung einer an sich älteren, für die europäische Neuzeit charakteristischen Form der Monarchie, in welcher der Monarch di...
Im Rechtsbereich des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation konnte wegen der dualistischen Reichsverfassung, welche den Kaiser an die Zustimmung der Reichsstände band, monarchischer Absolutismus weder entstehen noch durchgesetzt werden. Absolutistische Bestrebungen der Fürsten verlagerten sich daher auf die Ebene d...
In Liechtenstein setzten die regierenden Fürsten im 18. Jahrhundert durch die schrittweise Reduzierung traditioneller Volksrechte (administrativ-territoriale Neuordnung, Ausbau der obrigkeitlichen Rechte durch das landesfürstliche Oberamt, Reduzierung der Landammannverfassung) Frühformen absolutistischer Herrschaft dur...
Absteigequartier: 1890–1892 errichtete fürstliche Villa im Schlosswald, Gemeinde Vaduz, 612 m ü.M., südöstlich oberhalb des damals unbewohnbaren Schlosses Vaduz. Das Absteigequartier diente dem Fürsten Johann II. bei Aufenthalten in Liechtenstein bis zur Restaurierung des Schlosses Vaduz (1904–1914) als Absteige und zu...
Entworfen von Architekt Ignaz Bankó in Anlehnung an die Wiener «cottage-Bewegung»: unregelmässiger Grundriss und «englisches» Raumkonzept, Satteldach mit ostseitigem Kreuzgiebel und westseitig zwei Risaliten mit Runderkerfenstern und Quergiebel, Fassade in Tuffsteinmauerwerk, teilweise als Holzfachwerk mit Zierelemente...
Im Absteigequartier wurden vom 10.–15.9.1920 die Schlossabmachungen ausgehandelt. Sie legten die Basis für die neue liechtensteinische Verfassung, deren Unterzeichnung durch Prinz Karl von Liechtenstein und Josef Ospelt am 5.10.1921 ebenfalls im Absteigequartier stattfand.
Abundi (Ambundii), Johannes: Bischof. * um 1365 Schwaan (Mecklenburg), † 16.6.1424 Ronneburg (Rauna, Lettland), // Dom zu Riga (Lettland). Studium in Prag, 1403 als Dr. decretorum, 1409 als Dr. theol. bezeugt, 1394–99 Generalvikar des Bischofs von Bamberg, zugleich des Bischofs von Speyer, 1401–08 des Bischofs von Würz...
Abwasser: Abwasser ist das durch häuslichen, gewerblichen oder industriellen Gebrauch verschmutzte und das der Beseitigung von Fäkalien dienende Wasser sowie das Meteorwasser.
In Liechtenstein sind frühe Abwasserableitungen in der römischen Villa Nendeln (2./3. Jahrhundert n.Chr.) und im römischen Kastell Schaan (4. Jahrhundert n.Chr.) nachgewiesen. In Letzterem führte ein Abwasserkanal das durch zwei Gullys aufgenommene Abwasser aus der Badeanlage ins Freie.
Während Jahrhunderten wurden die in den Aborten (sogenannten Plumpsklos) anfallenden Fäkalien aufgefangen und als Dünger verwendet. Der Überlauf der bis weit ins 20. Jahrhundert der Zurückhaltung der Feststoffe dienenden Faulgruben (Hausklärgruben) versickerte oder wurde in offene Gewässer eingeleitet. Zu lokalen Gewäs...
Das Bevölkerungswachstum, die Industrialisierung und der Aufbau der zentralen Wasserversorgung mit Hausanschlüssen und Spülklosetts etc. ohne entsprechende Abwassersysteme sowie die landwirtschaftliche Düngung führten im 20. Jahrhundert zu bedenklichen Zuständen. Um diese in den Griff zu bekommen, wurde 1957 ein Gewäss...
Vorerst erstellten die Gemeinden generelle Kanalisationsprojekte, das erste 1948 in Vaduz. 1956–59 entstand der mechanische und 1969 der biologische Teil der Kläranlage Vaduz, welcher 1966 das Kanalnetz der Gemeinde Triesen und 1967 jenes der Gemeinde Triesenberg angeschlossen wurden. Es folgten lokale Abwasserreinigun...
1971 erfolgte die Gründung des «Abwasserzweckverbandes Liechtensteiner Unterland und Schaan» (AZV). Er realisierte Sammelkanäle von Schaan, Mauren und Ruggell nach Bendern und nahm 1976 die ARA Bendern in Betrieb. 1981 trat die Gemeinde Planken dem AZV bei, 1996 folgten Vaduz, Triesen und Triesenberg und 2000 Balzers. ...
Die anfänglich im Vordergrund stehenden ästhetischen Aspekte der Gewässerverschmutzung wurden mit der mechanischen Klärung des Abwassers weitgehend behoben. Im geklärten Abwasser gelöste Inhaltsstoffe führten aber zu Sauerstoffmangel in den Gewässern und in der Folge zu Fischsterben. Abhilfe schuf die biologische Reini...
Abzugs- und Einzugsrecht: Das Abzugs- und Einzugsrecht regelte die Bedingungen, unter denen die Herrschaft einem Fremden bzw. einem Untertanen die freie Wohnsitznahme zugestand. Dem in eine Grund- oder Leibherrschaft eingebundenen mittelalterlichen Menschen blieb die Freizügigkeit grundsätzlich verwehrt. Zunehmende Mob...
Gemäss einer Verordnung Graf Rudolfs von Sulz von 1513 betrug die Einkaufsgebühr für einen aus der Herrschaft Schellenberg in die Grafschaft Vaduz Einziehenden 8 Gulden und ging je zur Hälfte an den Landesherrn und die jeweilige Nachbarschaft. Jeder aus der Genossenschaft Abziehende musste dieser den 30. Teil seines ve...
Mit der formalen Aufhebung der Leibeigenschaft 1808 gelangte das Prinzip der Niederlassungsfreiheit zum Durchbruch. Das Abzugsgeld in Form der mittelalterlichen Nachsteuer und die Manumissionsgebühr für die Entlassung aus der Leibeigenschaft wurden abgeschafft, die sogenannte Emigrationstaxe zur Erschwerung der Auswand...
Adel: Das Wort Adel ist vom althochdeutschen (Erbhof) abgeleitet. In zahlreichen Kulturen ist die Aussonderung erblich bevorrechteter Familien zu beobachten, die einen eigenen Adelsstand bilden. Im Frankenreich und in dessen Nachfolgestaaten verkörperte der Adel in seiner Gesamtheit Staatsvolk und Reich und erhob aus ...
Das Gebiet Liechtensteins gehörte zu der 806 errichteten Grafschaft Rätien (später Unterrätien), die von den gräflichen Sippen der Hunfridinger und dann der Udalrichinger (9./10. Jahrhundert) verwaltet wurde. Mit Graf Rudolf erloschen 1150 die Grafen von Bregenz, ein Zweig der Udalrichinger. Pfalzgraf Hugo von Tübingen...
Die Grafen von Werdenberg-Sargans-Vaduz und nach ihnen die Freiherren von Brandis und die Grafen von Sulz strebten danach, im Gebiet Liechtensteins eine Landesherrschaft zu errichten; von besonderer Bedeutung waren hierbei die Regalien und die Brandisischen Freiheiten sowie die Durchsetzung von Landsteuer und Umgeld. O...
Die Fürsten von Liechtenstein, die 1699 die Herrschaft Schellenberg und 1712 die Grafschaft Vaduz erwarben, bildeten daraus das nach ihnen benannte Fürstentum, mit dem sie Sitz und Stimme im Reichsfürstenrat erhielten. Der von ihnen durchgesetzte fürstliche Absolutismus erhielt mit der Erlangung der Souveränität 1806 w...
Aff, Claus: Landammann. Erwähnt 1408 und 1421, von Bendern. ⚭ Adelheid. Aff siegelte 1408 als Landammann am Eschnerberg einen Kaufbrief in Feldkirch. 1421 verkaufte er seine Rechte an einer Wiese in Ruggell.
Agrarverfassung: Unter Agrarverfassung versteht man die Gesamtheit der Organisationsprinzipien zur Umweltnutzung und Lebensweise von landwirtschaftlich geprägten Kulturen bzw. der Landwirtschaft in nicht mehr landwirtschaftlich geprägten Kulturen. Unterscheiden lassen sich für Mitteleuropa drei Grundperioden: Die Agrar...
Über die erste Phase sind die Informationen zum Gebiet Liechtensteins dürftig. Grundsätzlich ist für den mitteleuropäischen Raum von Spielarten des Wanderfeldbaus mit Brandrodung und nomadischer Weidewirtschaft sowie einer noch starken Bedeutung des Jagens und Sammelns auszugehen. In der römischen Epoche (15 v.Chr. bis...
Seit dem 11. Jahrhundert wurde die ursprünglich durch unwegsames Waldgelände geprägte Landschaft Mitteleuropas mittels Rodungen systematisch durch eine agrarische Kulturlandschaft ersetzt. Zu den auslösenden Faktoren dieses meist als Landesausbau bezeichneten Prozesses gehörte eine ausgesprochene klimatische Gunstphase...
An den Landnutzungsrechten einer konkreten Hofstelle hatten drei Instanzen Anteil: Erstens bestand ein herrschaftliches Obereigentum der die Herrschaftsrechte innehabenden Adelsgeschlechter. Dieses ermöglichte ihnen sowohl die Ausübung obrigkeitlicher Funktionen wie auch eine Mitberechtigung an der Nutzung der natürlic...
Die Agrarverfassung organisierte fünf überlebensnotwendige Teilökosysteme: 1. den Wald als Brenn- und Bauholzspeicher, 2. die Weide für die Fleisch- und Milchproduktion (→ Rindviehhaltung), 3. das Wiesland als Produktionsfläche für das Überwinterungsviehfutter, 4. die Feldmark als Anbaufläche des Hauptnahrungsmittels B...
Seit der geografische Raum lückenlos von Herrschafts- und Nutzungsrechten erfasst war und damit die Möglichkeit der Gewinnung neuer Flächen entfiel, bestand ein Zwang, die fünf Teilökosysteme im Verhältnis zueinander zu optimieren. Dazu gehörte erstens die Strategie, den Versorgungswald auf die anders nicht nutzbaren S...
Ein weiteres Element der Agrarverfassung war das Bodenerbrecht. In Liechtenstein wurde statt des verbreiteten Anerbenrechts die Realteilung bevorzugt. Sie hatte den Vorteil, alle männlichen Kinder zu berücksichtigen. Zugleich hatte sie den Nachteil, immer kleinere und damit ärmere Hofstellen zu kreieren, da die Gesamts...
Die dritte Phase der Agrarverfassung wurde durch die aufgeklärte «Revolution von oben» eingeläutet. Die landesfürstliche Dienstinstruktion von 1808 war ein Markstein, der einen sich bis in die 1860er Jahre hinziehenden Reformprozess in Gang setzte. Der Staat lehnte sich dabei an die physiokratisch-liberale Wirtschaftsl...
Eine ältere Auffassung sah in der liberalen Umformung der Agrarverfassung die Ursache der bemerkenswerten Produktionssteigerungen des 19. und 20. Jahrhunderts, welche in Liechtenstein eine Versechsfachung der Bevölkerung trugen. Jedoch hat die jüngere Umweltgeschichtsforschung betont, dass der primäre Erfolgsfaktor dar...
Fundamental wurde der Stellenwert der Agrarverfassung durch die Industrielle Revolution berührt, die einen weitgehenden Untergang des Bauerntums herbeiführte: Waren um 1800 mehr als 90 % der liechtensteinischen Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, so sind es heute weniger als 2 %. Seit 1950 stand diese Dynamik in e...
Aktion Dornröschen: Feministische, politische Gruppierung, im April 1981 von Regina Marxer und Barbara Rheinberger gegründet (1981: 17 Mitglieder). Ziel war die Einführung des Frauenstimm- und -wahlrechts. Die Aktion Dornröschen wollte die Frauen aus ihrem «politischen Dornröschenschlaf» aufrütteln, die Bevölkerung auf...
Aktionskomitee heimattreuer Liechtensteiner: Das Aktionskomitee heimattreuer Liechtensteiner trat erstmals am 12.5.1945 in Erscheinung. Es richtete zur Landtagseröffnung ein Schreiben an den am 29. April neu gewählten Landtag, die Regierung und den Fürsten und forderte darin die Bestrafung aller «Vaterlandsverräter». D...
Alamannen (Alemannen): Die 289 n.Chr. erstmals genannten Alamannen erscheinen in römischen Quellen als Gegner der Römer im heutigen Südwestdeutschland. Archäologische Funde zeigen, dass die mit dem neuen Namen benannten Germanengruppen vorwiegend aus dem Einzugsgebiet der Elbe stammten. Das um 260 n.Chr. von den Römern...
Mit den Niederlagen gegen den fränkischen König Chlodwig bei Zülpich (496/97 und 505/06) verloren die Alamannen ihre Unabhängigkeit. Die Oberschicht suchte Schutz in burgundischem und ostgotischem Gebiet, das damals bis ins bayerische Voralpenland reichte. Das alamannische Südwestdeutschland wurde unter der Führung von...
Alamannenareale: Archäologische Fundorte in den Gemeinden Balzers, Schaan und Eschen, bestehend aus Gräberfeldern.
Während des Frühmittelalters siedelten sich im Alpenrheintal im Wohngebiet der einheimischen rätoromanischen Bevölkerung Alamannen an; Balzers bildet dabei den südlichsten Ausbreitungspunkt. Es sind nur Gräber bekannt, Siedlungen aus dieser Zeit sind bisher keine entdeckt worden.
Das Gräberfeld von Balzers liegt auf dem Runden Büchel, einem kleinen Inselberg im Rheintal, wo 1980–82 auf der Kuppe und am Hang fünf kleine Gräberbezirke gefunden wurden, die zu einem frühmittelalterlichen Körpergräberfeld gehören und als Sippenfriedhöfe interpretiert werden. Insgesamt handelt es sich um 92 anthropol...
Im Gegensatz zum gut erforschten Gräberfeld von Balzers gibt es nur wenige Erkenntnisse zu einem alamannischen Reihengräberfeld in Schaan. Im Zug von Bau- und Aushubarbeiten kamen immer wieder Skelette und Beigaben zum Vorschein; insgesamt wurden in den Jahren 1902, 1910, 1934, 1938 und 1940 über 20 Gräber gefunden, di...
Ein weiteres Reihengräberfeld von unbekannter Ausdehnung liegt im Bongerta in Eschen. In den Jahren 1953–54 und 1962 wurde hier bei Bauarbeiten rund ein Dutzend südwest-nordost-orientierte Gräber gefunden, von denen zwei mit Steinen eingefasst oder überdeckt waren. Die Beigaben lassen sich nur noch teilweise den einzel...
Alber: Geschlecht aus Mauren. 1990 trugen in Liechtenstein 7 Personen den Namen Alber. Erstmals erwähnt 1502 in Ruggell. 1569 als Feldkircher Ausbürger in der Herrschaft Schellenberg erwähnt. Für die Alber aus Mauren kann ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eine Genealogie erstellt werden (ein Stamm). Im 19. Jah...
Alkoholismus: Alkoholismus (Trunksucht) ist die physische und psychische Abhängigkeit von Alkohol. Wurde übermässiger Alkoholkonsum früher als Willens- oder Charakterschwäche angesehen, gilt Alkoholismus heute als Krankheit. Ein täglicher Konsum von mehr als 50 g reinem Alkohol bei Frauen bzw. 80 g bei Männern gilt als...
Liechtenstein ist traditionell ein Wein- und Mostland. Dem Bier als heute beliebtestem alkoholischem Getränk kam historisch weniger Bedeutung zu (→ Getränkeproduktion). Die Überlieferung zum Branntweinkonsum ist bis ins 19. Jahrhundert spärlich. Im späten 19. Jahrhundert intensivierte sich die Schnapsproduktion. In der...
Die Obrigkeit begegnete der Trunksucht seit der frühen Neuzeit mit Verboten und Strafen. Der Vaduzer Landsbrauch (Abschrift 1667) beauftragte Pfarrer bzw. Wirte, gegen übermässigen Alkoholkonsum zu predigen resp. keine Zeche anzuschreiben; das Zutrinken wurde verboten, Trunkenheit bestraft. Die liechtensteinischen Poli...
Alkoholkranke wurden früher z.T. in Bürgerheimen untergebracht. Seit 1966 regelt das Sozialhilfegesetz die staatliche Hilfe für Alkoholabhängige. Für die stationäre Behandlung bestehen Verträge mit verschiedenen Kliniken und Therapieeinrichtungen in der Schweiz und in Österreich. Geleitete Gruppen sowie Selbsthilfegrup...
Allgemeines Treuunternehmen (ATU): Das am 5.4.1929 von Guido Feger als «Treu-Bureau Treuhandinstitut» in Vaduz gegründete und am 17.8.1936 in «Allgemeines Treuunternehmen» umbenannte ATU gehört zu den ältesten und grössten Treuhandunternehmen in Liechtenstein. Der Schwerpunkt besteht in der Gründung und Verwaltung von ...
Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch (ABGB): Weitestgehend vom Naturrecht beeinflusste Kodifikation des gesamten bürgerlichen Rechts; in Österreich am 1.1.1812 in Kraft getreten und in Liechtenstein mit fürstlicher Verordnung vom 18.2.1812 rezipiert. Da die liechtensteinische Erbfolgeordnung von 1809 in Geltung blieb, t...
Allgäuer, Johann: Landammann. *20.8.1740 Eschen, †16.4. 1786 Eschen, von Eschen. Sohn des Johann und der Maria Marxer, Schwester des Landammannes Georg Marxer, zehn Geschwister. ⚭ 1767 Maria Katharina Kaiser (*18.11.1744, †24.1.1803), acht Kinder. Lehrer («ludimagister»). 1770–76 Landammann der Landschaft Schellenberg....
Allgäuer, Robert: Kabinettsdirektor. *17.1.1937 Eschen, von Eschen, wohnhaft in Vaduz. Sohn des Gemeindekassiers Reinold und der Maria Albertina, geb. Bühler, drei Geschwister. ⚭ 6.8.1962 Beatrix Marchon (*6.5.1936), drei Kinder.
Gymnasium in Immensee (SZ) und Stans (NW), 1957 Matura, 1959–1960 Bibliothekspraktika in Bern und Biel (BE). 1961–1972 war Allgäuer der erste Leiter der Liechtensteinischen Landesbibliothek, an deren Aufbau er massgeblich beteiligt war, und des Liechtensteinischen Landesarchivs. 1973–1984 Fürstlicher Kabinettsdirektor.
Allgäuer ist vielseitig kulturell engagiert, verlegerisch und publizistisch tätig. 1965–1996 Mitglied des Vorstands des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein (1985–1994 Jahrbuchredaktor, 1996 Ehrenmitglied), 1973–1985 Mitglied des Stiftungsrats des Liechtensteinischen Landesmuseums und 1976–1988 des Sti...
Kirchlich-soziales Engagement als Sekretär des Liechtensteinischen Entwicklungsdienstes (1965–1974), Präsident der liechtensteinischen Fastenopferkommission (1971–1986), Mitglied des Dekanatsseelsorgerats (1974–1980) und des Arbeitskreises für Erwachsenenbildung (1979–1998), Initiant von «Wir teilen: Fastenopfer Liecht...
1983 Grosskreuz mit Brillanten des fürstlich liechtensteinischen Verdienstordens, 1984 Fürstlicher Rat, 1993 Josef-Gabriel-von-Rheinberger-Preis, 1996 Kulturpreis der Gesellschaft Schweiz-Liechtenstein.
Allgäuer: Geschlecht aus Eschen. 1990 trugen in Liechtenstein 42 Personen den Namen Allgäuer. Erstmals erwähnt 1555. Für das Geschlecht kann ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eine zusammenhängende Genealogie erstellt werden (ein Stamm). Die Familie brachte im 18. Jahrhundert mit Johann einen Landammann der Lan...
Allmende: Das Wort Allmende ist sprachlich mit «allgemein» verwandt. Es bezeichnet land- oder forstwirtschaftlich genutzten Boden, der nicht einem einzelnen Privatbesitzer, sondern einer in einem Siedlungsverband ansässigen Nutzergenossenschaft (→ Genossenschaft) gehört. Dieser Boden oder ein Teil davon kann als Allgem...
Im Rahmen der vom Hochmittelalter bis ins frühe 19. Jahrhundert vorherrschenden herrschaftlich-genossenschaftlichen Agrarverfassung stand im Gegensatz zu heute dem Individuum kein absolutes Verfügungsrecht über den von ihm genutzten Boden zu. An den Landnutzungsrechten hatten noch folgende Instanzen Anteil: 1. Adel und...
Umstritten waren lange Zeit die Ursprünge der Allmende. Die ältere Theorie der Markgenossenschaft meinte uralte Wurzeln in germanischen Stammesverbänden erkennen zu können, während die jüngere Agrar- und Umweltgeschichtsforschung die Entstehung auf den Rodungs-, Siedlungs- und Erschliessungsschub des hohen Mittelalters...
Je nach Teilökosystem gab es in Bezug auf die Allmende unterschiedliche Mischungsverhältnisse kollektiver und individueller Rechte: Wälder und Weiden samt Alpen waren regelmässig als ungeteilte Gesamtfläche der örtlichen «Allgemeinheit» zugeordnet. Hingegen waren die Anbauflächen für das Brotgetreide stärker individual...
Allmendeeigentum bedeutete nicht, dass sich jeder nehmen konnte, was und wie es ihm beliebte. Es wurde durch öffentliche Normensysteme ergänzt, die das Gemeinschaftsinteresse an der Sicherung der Existenzgrundlagen und an der Minimierung ökologischer Risiken gewährleisten sollten. Es handelte sich um ein nachhaltigkeit...
Das Allmendemodell funktionierte nur, wenn die Zahl der Nutzungsberechtigten dessen Tragfähigkeit nicht überschritt. Nach innen gewendet folgten die Lokalrechte häufig der Strategie, die Fortpflanzungsberechtigung (Ehe) an die Übernahme einer ernährungstragenden Stelle zu koppeln. Liechtenstein unterband allerdings nic...
Infrage gestellt wurde das Eigentumsmodell der Allmende von den physiokratisch-liberalen Wirtschaftstheorien der Aufklärung, die um 1800 ein europaweites Klima der Umwandlung der Allmenden in individuell genutzte Privatgrundstücke entstehen liessen. Davon beeinflusst machte sich in Liechtenstein die Obrigkeit ab 1808 a...
Almbruderhof: Bezeichnung für die 1934–38 auf Silum (Gemeinde Triesenberg) bestehende Bruderhofgemeinschaft deutscher Hutterer. Die nach Jakob Hutter (1500–1536) benannten Hutterer sind eine aus der Reformation hervorgegangene Gruppe der Täufer. Sie leben pazifistisch und nach dem Armutsideal in christlich-kommunistisc...
In der liechtensteinischen Bevölkerung herrschte von Beginn an Skepsis gegenüber den Hutterern. Es wurde befürchtet, dass sie sich niederlassen und Grundbesitz erwerben wollten. 1935 lehnten die Triesenberger eine Wegweisungsinitiative mit 122 zu 106 Stimmen knapp ab. Ab 1936 übersiedelten die Almbruderhöfer nach Engla...
Alpabfahrt: Als Alpabfahrt oder Alpabtrieb wird die Überführung des Viehs von den Alpweiden in die tiefer gelegenen Heimbetriebe der Berg- oder Talbauern bezeichnet (→Alpwirtschaft). Die Alpabfahrt ist zeitlich bestimmt durch Kälteeinbrüche und rückläufiges Futterangebot im Herbst. Sie erfolgt unterschiedlich je nach L...
Wenn der Alpsommer für Mensch und Tier ohne schwere Unfälle verlaufen ist, werden die Herden für die Alpabfahrt vielfach kunstvoll geschmückt. Den besten Milchkühen werden schöne und schwere Glocken umgehängt, verzierte Melkstühle als Kopfschmuck aufgesetzt und aus Holz gefertigte Alpabfahrtsherzen auf die Stirn gebund...
Alpelti (Älple): Alp im oberen Saminatal, Gemeinde Triesenberg, 1460–1993 m ü.M., 122,3 ha, davon 34 ha produktive Weidefläche. Grenzt nördlich an die Alp Sücka (Triesenberg), östlich an die Valüna, westlich an den Wang (beide Triesen) und südlich an Gapfahl (Balzers). Der Name ist das walserische Diminutiv von «Alp». ...
Erste urkundliche Erwähnung 1403, als der Walser Hensli Gassner von Triesenberg das Alpelti von der Nachbarschaft Triesen zu Erblehen erhielt. 1665 wurde das 1562 von einer Privat- zu einer Triesenberger Gemeindealp gewordene Alpelti durch die Triesenberger gekauft. Schon im ersten Lehensvertrag (1403) war ein Schneefl...
Alpila (Alp): Ehemalige Alp. Gemeinde Schaan, 1421 m ü.M., am Westabhang der Drei Schwestern. Der Name leitet sich von alträtoromanisch her und bedeutet «kleine Alp», «Älple». Am 13.11.1625 bestätigte Andreas Schierser von Schaan die ihm von Graf Kaspar von Hohenems ausgestellte Erlaubnis, sein ob Schaan gelegenes Gut...
Alprecht: Der dem Bereich der Alpwirtschaft zugehörende Begriff Alprecht hat drei verschiedene Bedeutungsinhalte: 1. das Nutzungs- und Eigentumsrecht an einer Alp, 2. die festgelegte Ordnung zu deren Nutzung, 3. einen bemessenen Eigentums- und Nutzungsanteil an den Weiden oder am Molkenertrag.
Aus den seit den Anfängen der Alpwirtschaft vielfältigen Besitz- und Betriebsformen entwickelten sich zwei Hauptformen von Alprecht, nämlich das Anrecht auf Nutzung und das Anrecht auf Eigentum. Wo Alpen Teil von Gemeingut im Tal und in kollektiver Verwaltung von Genossenschaften waren, die sich innerhalb eines Kirchsp...
Zunehmende Nutzung der Alpweiden machte nach innen und aussen differenziertere Nutzungsordnungen zur Konfliktregelung, Sicherung von Nutzungs- und Eigentumsrechten und zur nachhaltigen Bewirtschaftung notwendig. Vereinbartes Alprecht wurde schriftlich in Urkunden oder Alpbüchern (Alpordnung, -statut) festgehalten. Auf ...
Alpsegen: Der Alpsegen, auch Betruf, Hirten- oder Sennenave genannt, war in Liechtenstein wie in den katholischen Berggebieten der Schweiz verbreitet. Er wurde nach getaner Arbeit vom Alpsenn allabendlich unter dem Kreuz in der Nähe der Alphütte in einer urtümlichen Vortragsweise über die Weiden gesungen. Es handelte s...
Datei:13 Alpsegen von der Alp Pradame, Malbun FL.mp3
Alpwirtschaft: Alpwirtschaft ist eine Form extensiver Viehwirtschaft auf hoch gelegenen, abgegrenzten Weideflächen (Alpen), zeitlich beschränkt auf das hochsommerliche Viertel des Jahres (→ Rindviehhaltung). Der in sich geschlossene Alpbetrieb mit eigenen charakteristischen Wirtschafts- und Lebensformen ist wirtschaftl...
Die Nutzung der günstig gelegenen Hochweiden oberhalb der Waldgrenze ist wahrscheinlich ebenso alt wie die Dauerbesiedlung des Rheintals. Archäologische Einzelfunde im Alpengebiet weisen darauf hin. Eine Alpwirtschaft im engeren Sinn, Rodungstätigkeit im oberen Waldgürtel und Viehsömmerung als Bestandteil der Viehwirts...
In den ältesten schriftlichen Quellen (ab dem 8. Jahrhundert) werden in unserer Region Alpen als Teil des von Gutshöfen genutzten Weidelands erwähnt. Die Alpen gehörten zum Königsland und waren wie Weiden und Wälder Teil der Adels- und Klosterherrschaft. Im Churrätischen Reichsgutsurbar (842/43) sind als Besitz königli...
Im Hochmittelalter wurde die Grossviehhaltung durch Klöster und Adel gefördert. Vermehrte Vieh- und Milchwirtschaft und verbreitete Rinderhaltung bedingten grösseren Futterbedarf. Ab dem 12. und 13. Jahrhundert verstärkten sich die Rodungstätigkeit und Landerschliessung in bisher schlecht oder nicht genutzten Waldgebie...
Aus den im Umfeld von frühmittelalterlichen Herrenhöfen und Kirchen entstandenen Weilern bildeten sich im Tal dörfliche Siedlungen. Gemeinschaftliche Daseinsbewältigung und Bodennutzung liessen aus ihnen selbständige Körperschaften mit genossenschaftlicher Organisation und Verwaltung wachsen (→ Gemeinde). Sie kauften i...
In den Dörfern hatten sich früh genossenschaftliche Zusammenschlüsse zur Nutzung der Alpen gebildet. Alpeigentum wurde aufgeteilt und Alpgenossenschaften zur Bewirtschaftung überlassen. Innerhalb des Kirchspiels Schaan-Vaduz wurde die Alp Malbun schon im 15. Jahrhundert durch Vaduzer Alpgenossen getrennt genutzt. 1503 ...
Die in den Höhenlagen von Triesenberg und Planken siedelnden Walser erwarben gleichzeitig mit und z.T. von den Talgemeinden umfangreichen Alpbesitz. Am Anfang der Besitzgeschichte der Walser Alpen stand jedoch nicht eine dörfliche Gemeinschaft, sondern es waren bis ins 16. Jahrhundert durchweg Gruppen einzelner Bauern,...
In den Gemeinden des Oberlands war der Alpertrag (Raufutter, Mehrwert der Tiere, Milchprodukte) vom Spätmittelalter bis ins 20. Jahrhundert ein wichtiger Teil der Existenzgrundlage der Heimbetriebe. Die Bewohner und Dörfer des Unterlands hingegen besassen in Liechtenstein keine Alpen. Erst relativ spät entstand Unterlä...
Neben verschiedenen Eigentums- und Besitzrechten an den Alpen haben sich in einer jahrhundertelangen, differenzierten Entwicklung und in unterschiedlicher Abfolge vielgestaltige Regelungen der Alpnutzung und -bewirtschaftung gebildet (→ Alprecht). Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen der Alpwirtschaft, besonders Grö...
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